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Dezember 2017
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Sehr geehrte Damen und Herren,

das deutsche Steuerrecht ist, wie man ja weiß, sehr übersichtlich. Bestes Beispiel ist der Mehrwertsteuersatz auf Weihnachtsbäume. Wenn man seine Tanne bei einem Händler auf dem Weihnachtsmarkt kauft, beträgt der Mehrwertsteuersatz 7 Prozent. Der Regelsteuersatz von 19 Prozent wird hingegen fällig, wenn der Baum nicht naturbelassen ist, sondern bereits vom Händler geschmückt wurde. Oder wer es ebenfalls steuerlich richtig krachen lassen will, kauft einen künstlichen Baum, auch der kostete 19 Prozent Mehrwertsteuer. So einfach ist das deutsche Steuerrecht.

Es gibt da nur noch eine weitere Ausnahme. Für die Fichte aus dem Wald wird ein Mehrwertsteuersatz von 5,5 Prozent erhoben. Das steht ja auch ganz klar in § 24 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 UStG. Es gibt da nur noch eine kleine weitere Ausnahme. Wenn die Bäume nämlich nicht zufällig im Wald wachsen, sondern in einer Tannenbaumplantage, die extra dafür angebaut wurde, fällt auf diese Bäume eine Mehrwertsteuer von 10,7 Prozent an. Das steht nämlich in § 24 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 UStG. Wobei man Acht geben muss, was danach mit dem 10,7 Prozent-Baum passiert. Der würde aus der Plantage selbst 10,7 Prozent kosten, aber wenn ihn der Händler weiterverkauft, würde er in einem Verkaufstand wieder 7 Prozent kosten. Ist doch logisch, oder? So einfach ist das deutsche Steuerrecht.

Es gibt dann nur noch eine kleine Ausnahme. Wer dem Fiskus ein Schnippchen schlagen will, erwirbt beim Kleinunternehmer: Dort wird nämlich gar keine Steuer fällig.

Zum Schluss noch eine Finesse des deutschen Steuerrechts: die Differenzbesteuerung. Wird ein gebrauchter Kunstbaum zum Beispiel beim Trödler gekauft, werden grundsätzlich 19 Prozent Mehrwertsteuer fällig, aber nur auf die Differenz zwischen dem Einkaufspreis des Trödlers und dem Wiederverkaufswert.

Und jetzt ein frohes Weihnachtsfest und einen erfolgreichen Start ins neue Jahr.

Ihr Thomas Förster

Thomas Förster