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Februar 2019
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Sehr geehrte Damen und Herren,

nichts in dieser Welt ist sicher, außer dem Tod und der Steuern. Ein Mythos besagt, dass es in Deutschland das komplizierteste Steuerrecht der Welt gibt. Hartnäckig hält sich das Gerücht, 60 Prozent der weltweiten Steuerliteratur sei auf Deutsch verfasst. Nach einer Studie von PWC benötigt ein deutscher Mittelständler 218 Stunden im Jahr für die Steuer, ein norwegischer dagegen hat alle Steuerangelegenheiten in nur 83 Stunden erledigt. Dies ist in erster Linie der deutschen Gründlichkeit geschuldet, die durch die Schaffung zahlloser Einzelfallregelungen zu einer scheinbar nicht enden wollenden Zahl von Ausnahmen im deutschen Steuerrecht führt.

Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch: In anderen Industriestaaten ist das Steuerrecht nicht weniger kompliziert. In den USA ist es sogar deutlich komplexer, da sich hier die Gesetze von Bundesstaat zu Bundesstaat unterscheiden. Der Mythos, das deutsche Steuerrecht sei das komplizierteste der Welt, stimmt also nur zum Teil. Zwar lässt sich nicht leugnen, dass es sehr komplex ist und es mancherorts simplere Systeme gibt, internationale Vergleiche zeigen aber schnell, dass sich das deutsche Steuersystem hier nicht nennenswert von anderen Industrieländern unterscheidet. Auch das 60-Prozent-Gerücht lässt sich im Übrigen schnell aus der Welt schaffen.
Die elektronische Analyse der Bestände der größten Steuerbibliothek der Welt in Amsterdam hat es eindeutig bewiesen: Nur 15 Prozent der weltweiten Literatur zum Thema Steuern ist auf Deutsch verfasst. Allerdings sind die Deutschen damit beim Umfang der Steuerliteratur trotzdem Weltmeister.

Ihr
Thomas Förster

Thomas Förster