Mai 2017
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Gastronomie im Fokus der Steuerverwaltung

In Folge der Welle der Selbstanzeigen bis Ende 2015 wurde die Finanzverwaltung personell aufgestockt. Nachdem der überwiegende Teil der Schwarzgeldfälle nun abgearbeitet ist, hat sie nun ein neues Betätigungsfeld gefunden. Im Anschluss an die bundesweit koordinierten Besprechungen ist – neben den Bereichen Rotlichtmilieu und Schwarzarbeit – die Gastronomie-Branche in den Fokus intensiver Ermittlungen geraten.

Einen Angriffspunkt liefern insbesondere unzureichend geführte Kassen. Durch zahlreiche gesetzliche Maßnahmen, wie z.B. die Kassennachschau oder die Normierung betrugsunanfälliger Kassen mit umfassender Dokumentationspflicht, soll künftig der Steuerhinterziehung ein Riegel vorgeschoben werden.

Konkrete Maßnahmen sind Umsatzsteuernachschauen, Umsatzsteuersonderprüfungen sowie normale Außenprüfungen. Als weitere Strategie zur Aufdeckung der Steuerhinterziehung werden zunehmend Testkäufe durchgeführt. Hierbei gehen die Steuerfahnder im Rahmen von Vorfeldermittlungen wie Restaurantkritiker vor. Sie konsumieren und beobachten akribisch, ob automatisch Rechnungen für die bestellten Speisen und Getränke ausgefertigt werden oder dies nur auf gesonderten Wunsch geschieht. Darüber hinaus setzen sie sich in die Nähe der Kasse und schauen mit Argusaugen, ob sämtliche Umsätze auch tatsächlich verbucht werden. Anschließend werden entsprechende Aktenvermerke verfasst und später erscheint dann hoch offiziell die Steuerfahndung, die dann den Betrieb überprüft.

In Ausnahmefällen kann es gar passieren, dass sofort ein steuerlicher Arrest oder ein strafrechtlicher Arrest angeordnet wird mit der Folge, dass das gesamte Vermögen des Gastronomen beschlagnahmt wird. Solche Fälle enden nicht selten in einer wirtschaftlichen Existenzvernichtung.