Mai 2017
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Sehr geehrte Damen und Herren,

Deutschland gehört bei der Steuer- und Abgabenlast unter den Industrieländern weiterhin zu den Spitzenreitern. Fast die Hälfte seines Einkommens muss ein Arbeitnehmer in Deutschland an den Staat abdrücken.

Nach einer aktuellen Studie der OECD musste ein lediger Angestellter ohne Kind im vergangenen Jahr im Schnitt 49,4 % an den Staat abliefern. Im Kreis der OECD-Länder lag hier Deutschland damit auf dem zweithöchsten Platz. Nur in Belgien fiel die Abgabenlast für einen alleinstehenden Durchschnittsverdiener noch höher aus. Die Belastung der Arbeitseinkommen durch Steuern und Sozialabgaben lag auch im Jahr 2016 deutlich über dem Durchschnitt aller 35 OECD-Länder, was vor allem an den vergleichsweise hohen Sozialabgaben liegt, die von Arbeitnehmern und Arbeitgebern getragen werden. Die Belastung der Arbeitseinkommen durch Steuern und Sozialabgaben ist im OECD-Raum insgesamt erneut leicht gesunken, was vor allem durch Reformanstrengungen in einigen wenigen Ländern gelungen ist. Steuersenkungen können vor allem im Bereich der kleinen und mittleren Einkommen Arbeitsanreize schaffen und so ein wichtiger Motor für Wachstum sein, das allen zugutekommt.

Während Länder wie Griechenland, die USA oder Mexico weit unter der deutschen Abgabenbelastung liegen, müssen sich aber Arbeitnehmer in diesen Ländern aufgrund von schwächeren Sozialsystemen stärker selbst absichern. Allerdings schneiden auch Staaten mit vergleichbaren Sozialleistungen besser ab als Deutschland – darunter insbesondere alle skandinavischen Länder.

Im Jahr der Bundestagswahl dürfte die OECD-Statistik besonders viel Aufmerksamkeit erregen. Mehrere Parteien wollen mit dem Versprechen auf Steuerreformen um Wählerstimmen werben. So hat Bundefinanzminister Wolfgang Schäuble Entlastungen im Wert von 15 Mrd. versprochen, von denen insbesondere mittlere Einkommen profitieren sollen.

Ihr

Thomas Förster

Thomas Förster