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Juni 2018
ARCHIV

Sehr geehrte Damen und Herren,

Urlaubsgrüße aus Bella Italia - gepostet auf Facebook - könnten dem Arbeitgeber zum Verhängnis werden, wenn der Mitarbeiter, der diesen Satz ins Netz gestellt hat, offiziell, zumindest laut Stundenzettel, im Betrieb gearbeitet hat. Nach wie vor ist Schwarzarbeit in einigen Branchen kein seltenes Phänomen. Zuweilen werden Mitarbeiter beschäftigt, die eigentlich Arbeitslosengeld oder Hartz IV beziehen oder aber bereits einen anderen Minijob ausüben. Dann lässt man sich halt von einem Angehörigen des Mitarbeiters bescheinigen, dass dieser im Betrieb ausgeholfen hat. Irgendwer wird sich in dessen Familie schon finden, der als Minijobber in Frage kommt, sprich den Arbeitsvertrag für Nichte oder Neffe unterzeichnet. Nun kommt jedoch die Pflicht zur Aufzeichnung der Arbeitszeit nach dem Mindestlohngesetz bzw. der Mindestlohn-aufzeichnungsverordnung hinzu. Die Einhaltung wird insbesondere durch die Zollverwaltung eingehend geprüft. Dabei schauen sich die Prüfer zunehmend die Facebook-Seiten der Mitarbeiter an. Und siehe da, ein angeblich im Betrieb hart arbeitender Beschäftigter sendet über Facebook Urlaubsgrüße oder berichtet über andere private Aktivitäten – und zwar genau zu der Zeit, zu der er laut Stundenzettel im Betrieb anwesend war. Die Folgen sind die Einleitung eines Strafverfahrens wegen Steuerhinterziehung und Sozialabgabenbetrug gegen den Arbeitgeber und gegebenenfalls gegen den echten und den vermeintlichen Arbeitnehmer. Da der Zoll dann insgesamt davon ausgeht, dass auch in anderen Fällen getrickst wurde, hagelt es oft erhebliche Bußgelder und Nachforderungen von Steuern und Sozialabgaben. Also lassen Sie die Finger von solchen „Gestaltungen“, denn Sie wissen nicht, was ihre Mitarbeiter so posten.

Ihr

Thomas Förster

Thomas Förster