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Juli 2018
ARCHIV

Sehr geehrte Damen und Herren,

in Russland rollt derzeit der WM-Ball und viele Zuschauer verfolgen live das Geschehen. Wer offiziell keine Eintrittskarte mehr bekommen hat, versucht auf dem Schwarzmarkt eine für viel Geld zu ergattern. Und da kommt der Fiskus ins Spiel: Ist der Verkauf kontingentierter und damit hochpreisiger Eintrittskarten steuerpflichtig oder nicht. Im Streitfall hatte ein Steuerpflichtiger zwei Eintrittskarten für das Champions-League Endspiel erworben. Da sein Lieblingsverein bereits im Halbfinale ausschied und das Endspiel nicht erreicht hatte, verkaufte er die beiden Eintrittskarten mit einem enormen Aufpreis über eine Internet-Plattform. Das FA sah darin einen steuerbaren und steuerpflichtigen Spekulationsgewinn nach § 23 EStG. Als Schiedsrichter musste nunmehr das FG Baden-Württemberg entscheiden. In ihrem Urteil sprechen die Richter dem FA eine Verwarnung aus. Zwar habe der Fan innerhalb eines Jahres die Eintrittskarten erworben und wieder veräußert, allerdings handele es sich bei den Eintrittskarten um Wertpapiere, die seit 2009 nicht mehr unter den § 23 EStG fallen. Und selbst wenn diese Vorschrift zur Anwendung käme, wäre eine Besteuerung verfassungswidrig, da es in diesem Fall ein strukturelles Vollzugsdefizit gebe, da viele Ticketbörsen ihren Sitz im Ausland haben und der Verkauf anonymisiert stattfindet. Nach Auffassung des Gerichts, scheidet auch eine Besteuerung nach § 20 EStG aus, da es sich bei der Eintrittskarte nicht um eine Kapitalforderung handele, da der Anspruch nicht auf Geld gerichtet ist, sondern auf den Zutritt zu einer Veranstaltung. Wegen grundsätzlicher Bedeutung wurde die Revision zum BFH zugelassen. Sie sehen, der Fiskus spielt überall mit. Bleibt abzuwarten, ob aus der gelben Karte am Ende nicht sogar eine rote wird.

Ihr
Thomas Förster

Thomas Förster