September 2016
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Seit März gilt die sog. „Wohnimmobilienkreditrichtlinie“

Die Wohnimmobilienkreditrichtlinie, die von der EU vorgegeben und auch vom deutschen Gesetzgeber in deutsches Recht umgesetzt wurde, gilt seit 21.03.2016. Danach sollen die Kredite sich nicht mehr so stark am Wert der Immobilien orientieren sondern vielmehr am Leistungsvermögen der Kreditnehmer. Danach darf die Bank einen Kredit nur noch vergeben, wenn er innerhalb der statistischen Lebenserwartung des Kreditnehmers vollständig getilgt werden kann. D.h. die Bank muss die wirtschaftliche Situation des Schuldners bis hin ins Rentenalter simulieren und bewerten. Hinzukommt, dass der Kreditnehmer zwischen 20 % bis 30 % des Kaufpreises als Eigenkapital nachweisen muss. So wird mancher Kreditnehmer wohl trotz normalem Einkommen und extrem günstigen Zinsen plötzlich nicht mehr in eine Immobilienfinanzierung kommen und wundert sich warum. Eigentlich macht diese EU-Richtlinie mehr Sinn für Länder, in denen die Immobilienblase 2007 und 2008 voll zugeschlagen hat, wie in Irland, Großbritannien und Spanien. Bei der Umsetzung der EU-Richtlinie in deutsches Recht, hat der Bundestag noch einmal ordentlich draufgesattelt, also die Vorschrift stärker ausgelegt als es erforderlich gewesen wäre. Auch weil rechtliche Unklarheiten der neuen Wohnimmobilienkreditrichtlinie dafür sorgen, dass über den Banken und Sparkassen das Damoklesschwert der fehlerhaften Beratung schwebt, sodass diese noch vorsichtiger bei der Darlehensvergabe agieren, wie das eigentlich erforderlich wäre. Eine Folgeerscheinung der neuen Regularien bei der Vergabe von Krediten ist, dass der eigentlich zu wünschen währende konjunkturelle Anschub abgewürgt wird. Mit der Folge: die EZB senkt die Zinsen auf 0, aber die Kreditinstitute verweigern die Kreditvergaben.