September 2015
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Aufteilung des Gesamtkaufpreises für ein bebautes Grundstück in Grundstücks- und Gebäudeteil

Nach dem Urteil des FG Berlin-Brandenburg vom 2014 wechselt die Aufteilung des Kaufpreises zwischen Grundbesitz- und Gebäudeanteil grds. nach der Kaufpreisaufteilung der Vertragsparteien, es sei denn es liegen Voraussetzungen für die Annahme eines Scheingeschäfts oder eines Gestaltungsmissbrauchs vor oder es bestehen „nennenswerte Zweifel“ an der vertraglich vereinbarten Aufteilung. Eine Einigung der Vertragsparteien ist immer dann zu berücksichtigen, wenn es sich um eine „von wechselseitigen Interessen betragene Vereinbarung handelt“. Zweifel an der Aufteilung der Vertragsparteien können nicht allein deshalb bejaht werden, weil bei der vertraglich vereinbarten Aufteilung der auf den Grund und Boden entfallende Wertanteil geringer als der amtliche Bodenrichtwert ist. Nach Auffassung des Gerichts ist auch der amtliche Bodenrichtwert lediglich eine Schätzungsgrundlage. Dass die Unterschreitung des Bodenrichtwerts allein zur Schätzung berechtigt, lässt sich nach Auffassung des Gerichts zudem nicht der einschlägigen BFH-Rechtsprechung entnehmen. Abgesehen davon gilt auch im Rahmen einer Schätzung, dass die für unbebauten Grund und Boden ermittelten Werte nicht ohne Weiteres der Bewertung bebauten Grund und Bodens zugrunde gelegt werden können. Vielmehr ist zu berücksichtigen, ob bei der Anschaffung einer Immobilie im Einzelfall wertbeeinflussende Einflüsse, die sich nach allgemeiner Lebenserfahrung preisbildend beim Boden- oder beim Gebäudeanteil auswirken, zum Tragen gekommen sind. Dies ist nach den jeweiligen tatsächlichen Verhältnissen unter Berücksichtigung der Interessenlage des Erwerbers zu entscheiden. Da die Revision beim BFH anhängig ist, sollte in gleichgelagerten Fällen Einspruch gegen den Steuerbescheid eingelegt und das Ruhen des Verfahrens beantragt werden.